Die Scheinbar

Die Scheinbar Crew
Die Scheinbar-Crew

Auf dem geographischen Scheitelpunkt der Monumentenstraße in Berlin-Schöneberg, bescheiden plaziert zwischen ganz normalen Hauseingängen, direkt gegenüber dem Friedhof befindet sich die "Scheinbar". Doch im kleinsten Varieté Deutschlands herrscht mitnichten Friedhofsruhe.
1984 von den angehenden Artisten Stefan Linne und Irmtraud Spiegel aus der Taufe gehoben (Motto: "Wir baun uns unsere Bühne selbst"), wird hier an mindestens 4 Tagen der Woche dem abenteuerlustigen Kleinkunstliebhaber Amüsement, Gehirnfutter, Augenlust und Ohrenschmaus geboten.  

Zum Klassiker und Publikumsrenner entwickelte sich über die Jahre das Open Stage Varieté, bei der gestandene Profis ebenso wie Newcomer an ihren Nummern feilen. Die Genrevielfalt reicht von Kabarett, Chanson, Artistik und Stand Up Comedy bis hin zu Darbietungen, für die sich keine Namen finden lassen. Im Backstage warten Magier, Pantomimen und manchmal sogar Einradfahrer auf ihren Auftritt:
spektakulär bei einer Bühne mit den Massen 4x3 und einer lichten Höhe, die eine Herausforderung auch für ehrgeizige Jongleure darstellt! Kein Abend gleicht dem anderen, denn die Programmfolge wird vom wöchentlich wechselnden Moderator - einzige Konstante in diesem Konzept - erst kurz vor Vorstellungsbeginn festgelegt. Die Open Stage ist eine beliebte Gelegenheit zum Ausprobieren: mitunter klingelt es während der Show an der Hintertür und spielwütige, kurzentschlossene Künstler begehren Einlass.

Manchmal geschieht es auch, da wird ein ahnungsloser Open-Stage-Zuschauer von seinen Kumpels auf die Aktionsfläche geschubst ("Du bist doch immer so witzig, ey!"), und  findet sich ein Jahr später als TV-gestählter Comedian wieder.

Neben einer unnachahmlichen Atmosphäre aus Intimität, Avantgarde und Nostalgie gibt es hier das freundlichste Tresen- und Kassenpersonal im Berliner Varietébetrieb, Soloshows und ein paar monatlich stattfindende Specials, die das Zeug zum Dauerbrenner haben, wie z.B. die All-Women-Show "StageDiven!".

Text: Bartuschka für das Magazin "Die Kiezmeile"

Noch eine sehr schöne - sowie nostalgische - Beschreibung der Scheinbar finden Sie hier auf den Seiten von Ursus & Nadeschkin.